Buchkritik: „Kris Longknife – Die Rebellin“

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Immer wieder kauft man sich ein Buch, bei dem man sich mehr verspricht als von anderen. Vor allem dann, wenn man als Autor ein Buch als eine Art Genre-Recherche liest, erhofft man sich viel dabei. Neben der Unterhaltung soll dabei auch die eine oder andere Inspiration, ob inhaltlicher oder schriftstellerischer Natur, ergeben. “Kris Longknife: Die Rebellin” von Mike Shepherd schien in dieser Hinsicht perfektes Material zu bieten, spielt die Science-Fiction Serie doch in einer fernen Zukunft, in der die Menschheit bereits zahlreiche Weltraumkolonien aufgebaut hat. Auch die Tatsache, dass mit Kris Longknife eine weibliche Protagonistin im Zentrum der Serie steht, gefiel mir auf Anhieb, und trotzdem stellte sich der Einstieg als schwierig dar.

Ohne weiter um den heißen Brei zu rühren: Die ersten hundert Seiten sind schwierig. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich nur wenig Erfahrung mit militärisch geprägter Science-Fiction habe oder am etwas zu sachlichen Erzählstil von Shepherd, aber der Anfang zog sich enorm und es kostete mich einige Mühe, es durch diese anfänglichen Passagen zu schaffen. Das liegt auch daran, dass man zu Beginn wenig Gefühl für Longknife selbst bekommt und ihre Hintergrundgeschichte parallel zu ihrem ersten Einsatz erzählt wird. Eigentlich handelt es sich dabei um einen gelungenen Griff, was die Erzähltechnik anbelangt, doch die Hintergrundgeschichte von Kris ist ein wenig langweilig und abgedroschen, weshalb der Funken zu Beginn nicht wirklich überspringen will.

Erst nach diesem ersten Einsatz lernt man dann das familiäre und politische Umfeld von Kris kennen, und man stellt fest, dass ihr Eintritt in die Navy, wo sie durchaus gefährliche Einsätze führen musste, ein Akt der Rebellion darstellt. Ihr Vater ist Präsident der “Human Society”, unter deren Banner sich sämtliche Kolonien der Erde versammeln, und dank ihrer Großväter, die Kriegshelden sind, ist der Name “Longknife” weitgehend bekannt und respektiert. Die Protagonistin lehnt sich also dagegen auf, eine Art behütete Prinzessin zu sein, und versucht, ihr eigenes Schicksal zu schmieden. Dadurch wird sie wesentlich interessanter, weil zugleich nachvollziehbarer, und der zentrale Konflikt ihrer Persönlichkeit ist damit relativ früh offen gelegt.

Der zweite Einsatz findet auf einem Planeten statt, wo dank einer Naturkatastrophe seit einem Jahr der Ausnahmezustand herrscht. Der Himmel ist stets von Wolken bedeckt und es regnet ununterbrochen, weshalb es massive Ernteausfälle gibt. Der Hunger bringt natürlich auch Kriminalität mit sich und Kris soll mithilfe ihrer Truppe aus Grünschnäbeln zusammen mit einem motivationslosen General die Situation verbessern. Die kleinen und großen Erfolge, die Longknife in dieser scheinbar hoffnungslosen Situation feiert, treiben zum Weiterlesen an.

Hinzu gesellt sich dann noch eine Verschwörung, die sich bereits zu Beginn ankündigt und in einen spannenden dritten Akt führt. Dadurch verbessert sich das Buch Seite um Seite, denn der anfangs etwas irritierend sachliche Stil, der zusätzlich mit viel Militärjargon angereichert ist, wird durch eine sympathische Hauptfigur ausgeglichen. Die Geschichte ist zwar nicht sonderlich originell, doch sie baut mehrere funktionierende Spannungsbögen auf, die sie auch durchhält und ausführt. Sie lässt auch Freiraum für das nächste Buch in der Serie, das ich hoffentlich demnächst lesen werde.

Interessant war das Buch für mich schon alleine deshalb, weil es meinen Einstieg in das Militär-Science-Fiction-Subgenre darstellt. Ich wusste zwar, dass das Genre existiert, aber so plastisch, wie es sich hier präsentierte, bin ich noch nie darauf gestoßen. Alleine für die Erfahrung bin ich dankbar. Dass sich im Verlauf der Handlung eine spannende Lektüre einstellte, ist da natürlich ein tolles Plus. Wer sich für das Genre interessiert, sollte hier vielleicht einmal reinblicken. Ich für meinen Teil freue mich auf die Lektüre des nächsten Romans der Serie.

 

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